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Ein Beitrag aus dem aktuellen Heft:
Wir waren bereit
Ich auch, habe ich gedacht! Bereit sein klingt doch ganz einfach! Man setzt sich hin und lässt geschehen! Da ist ja nichts dabei! Über "völlig" habe ich mir eigentlich gar nicht den Kopf zerbrochen, bereit ist ja auch schon genug! Natürlich wollte ich einige meiner Charakterfehler, die immer wieder zur Belastung wurden, anbringen! Meine Sturheit, meinen unglaublichen Trotz, mit dem ich mich immer wieder ins eigene Fleisch schnitt, meinen Zorn, der mich immer wieder dazu verleitete, mir eine Blöße zu geben, meine Eifersucht auf meinen Ex-Ehemann, die nach der Scheidung ja völlig unsinnig schien, mein Eingebildet-Sein, das mir selbst oft peinlich war. Ja, das was mich wirklich kratzte, das wollte ich ganz gerne loswerden. Bereit sein fängt ja auch damit an, dass man definiert, welche Fehler es da loszulassen gilt und dann wirklich die "Hände zu öffnen", damit das Loslassen auch funktionieren kann! "Diese Charakterfehler" könnten aber doch auch Eigenschaften sein, die für mich gar nicht so belastend waren – würde mich diese Bereitschaft anders sein lassen, als ich jetzt war? Der Gedanke machte schon Angst!
Da fehlt ja was.
Dann hörte ich in einem Meeting, dass man deshalb von Charakterfehlern spreche, weil dem Charakter etwas fehlte! Na, da begannen gleich die nächsten geistigen Übungen, da brauchte ich ja nur das Gegenteil meiner Charaktermängel finden und danach streben, diese "positiven Eigenschaften" zu verstärken. Gegen die Sturheit brauchte es Einsicht und Flexibilität. Für den Trotz müsste ich eigentlich nur ein bisschen erwachsener werden und mich in Gelassenheit üben. Gleich zu Beginn des 6. Schritts in 12 & 12, Seite 59 heißt es: "Dies ist der Schritt, der Erwachsene von Kindern unterscheidet …" Und wer will sich denn in meinem Alter noch wie ein Kind aufführen? Ich fürchte schon, dass ich mich oft wie ein kleines Kind benehme, wirklich eine Schande! Gegen die Eifersucht ist wahrscheinlich kein Kräutlein gewachsen, aber es müsste doch auch mir klar werden, dass Eifersucht eine Leidenschaft ist, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft – und gelitten habe ich genug! Gegen mein Eingebildet-Sein und die Selbstgerechtigkeit hilft wahrscheinlich nur Demut – und die ist an sich schon eine schwere Übung! Außerdem müsste ich auch mit dem Vergleichen aufhören – auch das ist extrem schwierig! Schon im 4. Schritt habe ich gelernt bei mir zu bleiben, da ging es um die eigene Inventur und nicht um die eines anderen. Nicht zu vergleichen scheint mir irgendwie schwieriger, weil es für mich so eine Art Automatismus ist: Ich beobachte etwas oder sehe jemanden und setzte das oft in Beziehung zu mir selbst: wie schaut das bei mir aus, wie mache ich das, wie reagiere ich in so einer Situation? Der Grat zwischen in dem anderen den Spiegel erkennen und mit dem anderen vergleichen ist sehr schmal. Ich muss da immer noch aufpassen, das Vergleichen sein zu lassen, ich will ja auch mein Leben nicht in Konkurrenz mit allen anderen leben, sondern in Harmonie mit meiner Umgebung!
Beseitigt – was dann?
Zu Beginn habe ich für mich immer gelesen: "Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler beseitigen zu lassen." Die Sache mit Gott und der Höheren Macht war mir zu suspekt und unangenehm. Ich habe mich also redlich bemüht, bereit zu sein, manchmal sogar völlig bereit zu sein, gebessert hat sich da aber mal nichts! Nun, der Schritt scheint ja auch recht passiv zu sein, bereit werden kann man ja auch nicht messen, das ist eher so wie etwas geschehen zu lassen und dabei zuzusehen! Eigentlich ein recht gemütlicher Schritt! Trotzdem haben sich ungemütliche Gedanken eingeschlichen: Wie wird denn das, wenn meine Charakterfehler wirklich genommen werden?
… und wenn Sie wissen möchten, wie es der Verfasserin nach der Beseitigung ihrer Charakterfehler erging, dann abonnieren Sie doch einfach unsere Zeitung!
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